Georg Caspar Schippel

(um 1648-1722)

Georg Caspar Schippel stammte aus Stressenhausen, wo er um 1648 geboren wurde. Seine Eltern betrieben dort eine Mühle, die sich schon seit Generationen, genauer: von 1592 an, im Besitz der Familie Schippel befand. Diese Mühle war fast 100 Jahre lang Familienbesitz der Schippels. Der Familienname Schippel begegnet im Unterland recht häufig, zumal in Lindenau.

 

Georg Caspar Schippel betrieb diese Mühle. Wie damals üblich ging er noch anderen Tätigkeiten nach, die aber nicht weiter bekannt sind. 1691, nach dem Tod des Vaters und Müllers von Stressenhausen Claus Schippel, verkaufte Georg Caspar (gemeinsam mit seinen Geschwistern) die Mühle an den Vetter Claus Schippel und siedelte nach Hildburghausen über. Hier erwarb er die Ebenrettersmühle. Ob Schippel hier nur als Müller tätig war, ist fraglich. Denkbar ist es, dass die Mühle nicht nur ein Mahlwerk, sondern auch ein durch Wasser angetriebenes Schneidewerk hatte. Möglicherweise war die „Ebnersrütters Mühle“, wie sie damals bezeichnet wurde, ganz und gar nur eine Schneidemühle. Schippel muss in jedem Fall gut mit Handwerkzeug zur Holzbearbeitung ausgerüstet gewesen sein, denn die Mühle war zugleich auch seine Orgelbauwerkstatt. Diese Information ist uns durch Schippel selbst überliefert worden. Seine erste bislang bekannte Tätigkeit als Orgelbauer liegt in den Jahren 1672/73. In dieser Zeit wird Schippel (neben Christoph Crapp, s. u.) bei Reparatur-und Umbauarbeiten an der Orgel in der evangelischen Kirche in Meeder genannt. Die Orgel von Meeder war 1655 vom damals bedeutendsten Orgelmacher Matthias Tretzsche (1626-1686) erbaut worden - mit einer für die Nachkriegszeit typischen Disposition:

1) Principal 4' (im Prospekt)

2) Grobgetact 8'

3) Nasat 3'

4) Octav 2'

5) Quint 1 1/2'

6) Setez 1'

7) Cymbel 1fach

1) Tremulant

2) Trumbe

3) Vogelsang


Wahrscheinlich setzten Schippel und Crapp diese einmanualige Orgel ohne Pedal vom Chorraum auf die Orgelempore um. Ob auch ein Register des sehr obertonreichen Manualwerks durch ein 8- oder 4-Fuß-Register ersetzt wurde, bleibt nur zu vermuten. Sicher ist dagegen, dass die beiden ein Pedalwerk ergänzten - einen folierten Octavbass 8' im Prospekt, dahinter einen Subbass 16'.


Im Jahre 1694 baute Georg Caspar Schippel in die Hospitalkirche nach St. Kilian eine Orgel, welche 1801 durch den Orgelbauer Michael Georgi (um 1775-nach 1847) aus Unterwirbach nach Krölpa bei Pößneck umgesetzt wurde. Dabei setzte Georgi das Pedalwerk tiefer, weil die Höhe in der Kirche nicht ausreichte. Möglicherweise ist diese Orgel die einzige erhaltene, die in Zusammenarbeit mit Krapp entstand.


 

Die einmanualige Orgel mit Pedal hat heute folgende Disposition:

Grob Getact 8'

Quintaden 8'

Regal 8'

Principal 4'

Spitzflöte 4'

Octaf 2'

Quint 1 ½'

Mixtur 3f. 1'

Violon 16'

Subbass 16'

 

Cymbelstern

Glockenspiel C-Dur

Glockenspiel G-Dur

 

Pedalcoppel

Calcant


Das Werk wurde 1998/99 durch die Orgelbauwerkstatt Otto Hoffmann (Ostheim/Rhön) umfassend restauriert und rekonstruiert.


Als diese Orgel Ende der 1990er Jahre restauriert wurde, kam auf der ersten Balgplatte folgende Inschrift zum Vorschein:

 

Anno 1694

 haben beide geVattern Christoph Crapp Orgelmacher

 von Eisfelt, und Caspar Schippel zu Hildburg-

 hausen, dieses Orgelwerk aus guder Afection mit-

 einander verferdiget, bey Hildburghausen in der

 Ebnersrütters Mühle genannt, und hierher an diesen

 Orth in dem Hospidal bey Schleusingen gebracht

 wodrin zu der Zeit wart der wohl erwürdige Herr

 Johan Samuel Weber aus Schleusingen gebürdig

 Pfarher an diesem Orth, dieses Werk ist vor Weih-

nachten gesetzt und abgeholet worden.

 

Die Abschrift auf dem zweiten Balg enthält geringe Veränderungen wie z. B.

vor Weihnachten abgeholt und gesetzet worden

 

Zusätzliche Inschrift auf dem eingeleimten Zettel (unten):

 

1759 wurde neu beledert zu Hhausen (Hildburghausen)

durch Christian Dotzauer Hoforgelmacher

 

Nota

dieses alte Orgelwerk ist im Jahr 1801 aus der

Hospital. Kirchen bei Schleusingen von dem hie-

sigen Kirchencuraio um 85 Thlr die Candtzel

zu tal. 15 g gekauft, und hier im Orte von

Hr Michael Georgi, Orgelbauer in Unter-

wirbach um 50 rg repariert und in guten

Stand gebracht worden. Dieses hat Unterschrie-

bener der Nachwelt mittheilen wollen.

Crölp, den 24. Merz 1801

Johann August Günter

d. Z. Cantor

 

Die Tatsache, dass die Orgel von zwei Orgelbauern gemeinsam gebaut wurde, erklärt die teilweise unterschiedlichen Baumerkmale. Crapp hat das Pedalwerk, Schippel wahrscheinlich das Manualwerk gefertigt, der Zusammenbau erfolgte dann in der Ebnersrütter Mühle. 1759 wurden die Bälge von Christian Dotzauer/Hildburghausen neu beledert.

Dieser Inschrift können wir noch eine wichtige Information entnehmen: Georg Caspar Schippel wirkte gemeinsam mit seinem Gevatter Christoph Krapp. Der zwei Jahre jüngere Krapp/Crapp war vermutlich Schippels Vetter, denn sein Gevatter im Sinne von Taufpate kann er ja nicht gewesen sein.

 

Von welcher Zeit an, und wie lange Schippel mit seinem Verwandten Krapp zusammengearbeit hat, ist nicht bekannt. Da Schippel am 17. September 1700 den Vertrag für den Bau der Poppenhäuser Orgel allein unterzeichnete, kann man davon ausgehen, dass beide inzwischen ihre eigenen Werkstätten hatten. Außerdem dürfte Schippel in der Zwischenzeit zum "privilegierten Hoforgelmacher" ernannt worden sein. Wahrscheinlich bekam er es bereits in den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts. Ab 1710 ist anschaulich belegt, dass Schippels Auftragsbuch stets gut ausgefüllt war.

In diesem Jahr baute er eine Orgel nach Mühlfeld, von der noch der Prospekt erhalten ist. 1711 folgt ein Kaufvertrag für eine Orgel nach Simmershausen.

Sein wohl berühmtestes Instrument erbaute Schippel 1711 für die Kirche zu Bedheim, denn dieses bildet gemeinsam mit der durch Nikolaus Seeber ergänzen Schwalbennestorgel ein einzigartiges Ensemble. Der originale Kontrakt oder andere Akten darüber sind nicht erhalten. Aufschluss gibt der Bericht des Eisfelders Johann Werner Krauß von 1752.

Im Jahre 1716 baute Schippel eine Orgel für Pfersdorf.

Für das Jahr 1717 ist eine Meinungsverschiedenheit zwischen Schippel und der Kirchgemeinde Roth überliefert. Letztere wollte ein Instrument aus Römhild ankaufen. Der privilegierte Hoforgelmacher Schippel konnte sich erfolgreich gegen dieses Ansinnen zur Wehr setzen und bekam den Auftrag.

 


Georg Caspar Schippel war dreimal verheiratet. Seine erste Frau Anna starb schon am 21.12.1696, seine zweite Frau hieß Susanna Sophia (geb. Milding, aus Coburg), seine dritte Frau, Margaretha Barbara, heiratete er erst am 26. November 1721. Er hatte acht Kinder, davon starben vier bereits im Kindesalter. Der einzige Sohn Johann Christoph (23.3.1901-5.4.1720) starb 19-jährig, noch als Schüler des Hildburghäuser Gymnasiums. Die älteste Tochter Anna Magdalena (8.5.1682-14.7.1721) schloss am 12.7.1706 mit dem Metzger Gottlob Seger aus Hildburghausen den Bund der Ehe. Tochter Susanna Barbara (6.1.1704-31.5.1768, auch Susanna Catharina genannt) ehelichte am 27.9.1724 Joh. Georg Schurges, Büttner zu Hildburhausen. Die jüngste, Luisa Johanna Elisabeth (geb. am 28.4.1707), heiratete einen Jäger zu Bockstadt. Im Jahr 1726 lebte sie noch.

 

Eintrag in das Totenregister:

Caspar Schippel

Ein Witwer, Orgelmacher, ist den 15. Mai mit Christl.-ceremonie begraben worden, 74 Jahr alt.

 

Namensvarianten: Schippler, Schippeln