Die Orgel der Christuskirche

 

Die heutige Hildburghäuser Orgel ist mit ihren 33 Registern auf drei Manualen und Pedal das größte Instrument aus der Werkstatt des Schmiedefelder Orgelbauers Michael Schmidt. Dieser baute 1865 sein neues Werk hinter den historischen Prospekt der Henne-Orgel, die zuvor an dieser Stelle gestanden hatte. Schmidt hatte aus Kostengründen auch einige Pfeifen aus dem Vorgängerwerk verwendet.

 

Hauptwerk C - f'''

 

1. Bordun 16'

2. Principal 8'

3. Hohlflöte 8'

4. Bordun 8'

5. Viola di Gamba 8'

6. Octave 4'

7. Hohlflöte 4'

8. Quinte + Octave 2 2/3'+ 2'

9. Cornett 4f 4'

10. Mixtur 6f 2'

11.Trompete 8'

12. *(Prospektprincipal 8')

 

 

Oberwerk C - f'''

 

1. Lieblich Gedackt 16'

2. Geigenprincipal 8'

3. Salicional 8'

4. Traversflöte 8'

5. Lieblich Gedackt 8'

6. Octave 4'

7. Fugaro 4'

8. Octave 2'

9. Mixtur 5f 1'

10. Oboe 8'

11.*(Prospektprincipal 4')

 

 

 

Schwellwerk C - f'''

 

1. Gemshorn 8'

2. Flauto dolce 8'

3. Vox coelestis 8'

4. Harmonica 8'

5. Flauto dolce 4'

 

Pedal C - d'

 

1. Untersatz 32'

2. Principalbaß 16'

3. Violon 16'

4. Subbaß 16'

5. Octavenbaß 8'

6. Violon-Cello 8'

7. Posaunenbaß 16'


Koppeln und Nebenzüge (ohne Elektrik):

Manualkoppel II/I, Brustwerkkoppel III/II, Pedalkoppel I/Ped.

Calcant = Motorschalter, Sperrventil zum III. Man. = Schalter für Elektronik, Tritt für den Schwellkasten

Elektronischer Setzer SK 60 (Laukhuff)

Zusätzlich zu den genannten mechanischen Koppeln stehen beim Einsatz der Eletronik folgende Koppeln zur Verfügung:

III/I, Sub/ I, Super/ I, Sub II/ I, Super II/ I, Sub III/ I, Sub II, Super II, Sub III/ II, Sub III, II/ Ped., III/ Ped., Sub III/ Ped.

Weiterhin wurde eine Walze eingebaut, die frei programmierbar ist.

Die mit * gekennzeichneten Register sind nur bei eingeschalteter Elektronik über das Tableau zu registrieren.


In den Hildburghäuser Stadtkirchen (St. Laurentiuskirche und Christuskirchen) standen im Laufe der Jahrhunderte mindestens vier Orgeln. Die erste Orgel dürfte bereits im 16. Jahrhundert gebaut und gespielt worden sein. Wie lang sie stand, wer sie erbaut hatte, wie sie disponiert war, ist noch unbekannt. Sicher aber waren die ansässigen Orgelbauer Crapp, Schippel und Seeber mindestens durch Reparaturen beteiligt.

Als 1720 Johan Christoph Zahn Organist an St. Laurentius wurde, muss die Orgel so verbraucht gewesen sein, dass er sich vehement für den Bau eines neuen Instruments einsetzte. Die Vergabe zum Bau des neuen Werks bildete den Höhepunkt der Streitigkeiten zwischen den privilegierten Hoforgelbauern und weiteren Konkurrenten. Caspar Schippel verlor aus Altersgründen sein Privileg, Nikolaus Seeber führte das "Privilegium exclusivum", den Auftrag aber erhielt der noch junge Johann Christian Dotzauer, den Herzog Ernst von Sachsen-Hildburghausen zum Erfurter Orgelmacher Franziskus Volckland in die Lehre geschickt hatte. Gerade heimgekehrt, sollte die Orgel für St. Laurentius sein Meisterstück werden. 1724 wurde die Orgel fertiggestellt und erfüllte - bis zum großen Brand 1779 - die Kirche mit ihrem himmlischen Klang. Sie muss zu den herausragenden Instrumenten ihrer Zeit gehört haben - mit ihren drei Manualen und Pedal - und hat in ihrer Größe wohl der Trostorgel in der Waltershäuser Stadtkirche entsprochen.

Dotzauers Schwiegersohn hatte bereits Anfang der 1770er Jahre die Werkstatt übernommen und kannte das verbrannte Instrument gut. Dieser Johann Georg Henne fühlte sich verpflichtet, ein gutes Instrument als Ersatz zu bauen. 1787 erklang seine neue Orgel zum ersten Mal. Sie hatte 32 Register auf zwei Manualen und Pedal.

Im Jahr 1865 wurde die Henne-Orgel nun durch die Werkstatt Schmidt (Schmiedefeld) grundlegend umgearbeitet. Bereits 1893 wurden diverse Register erneut umdisponiert (besonders im Schwellwerk), diesmal durch Theodor Kühn (Schmiedefeld). Mit Beginn des 20. Jahrhunderts übernahm die Orgelbauerfamilie Müller die Pflegearbeiten.

Heute ist noch etwa 90 Prozent originaler Bestand erhalten - dies bezieht sich auf die Bestandteile von Henne bzw. Schmidt.