Die Müller-Orgel in Biberschlag

Standort: 1. (Ost-)Empore über dem Altar
Erbauer: Christoph Müller, Hildburghausen
Baujahr: 1905
Außenmaße: H: ca. 4 m; B: 3,66 m; T: 2,70 m
Prospekt: 3 Rundbogenfelder
Anzahl der Werke: 3
Anzahl der Windladen: 3
Trakturen: pneumatisches Spielwerk und pneum. Regierwerk
Windanlage: 1 Magazinbalg mit Schöpfbalg
Winddruck: 90 mm WS
Tonhöhe: 425,8 Hz bei 70 Celsius
Stimmungsart: gleichstufig
Anzahl der Register: 14
Manualumfang: C-f3
Pedalumfang: C-d1


Disposition:
Manual I

Bordun 16’

Principal 8’

Gambe 8’

Hohlflöte 8’

Principal 4’

Gedackt 4’
Mixtur 4fach

Manual II

Geigenprincipal 8’

Flauto 8’

Salicional 8’

Harmonika 8’

Pedal
Subbaß 16’
Violon 16’
Octavbaß 8’


Pedalcoppel I, Pedalcoppel II, Suboctavcoppel II/I, Superoctavcoppel I, Manualcoppel
Feste Kombinationen: P, MF, F, T, Auslöser

Die 30 Prospektpfeifen aus Zinn wurden 1929 durch Zinkpfeifen ersetzt.


* 1985 Überholung und Reinigung (auch Verringerung des Luftdrucks) durch Orgelbauer Rainer Wolter/Dresden

* 2014-2017 Sanierung durch Orgelbauer Frank Peiter/Lengefeld, Orgelweihe am 16. Juni 2017

Orgelgeschichtliches aus der Kirche BIberschlag:

 

Vor der Müller-Orgel standen mindestens zwei Instrumente in der Biberschläger Kirche:

eine Holland-Orgel von 1819 und eine Seeber-Orgel von 1722.

 

Die Holland-Orgel ist noch auf alten Fotos aus der Zeit der Jahrhundertwende zu sehen.

Auch enthalten die Kirchenakten eine Skizze des Werkes. Skizze und Foto weichen allerdings äußerlich voneinander in Details ab. Ansonsten dürfte J. M. Holland die Orgel 1819 so gebaut haben, wie er sie plante.

 

Die Disposition lautete:

Oberes Clavier:

 

1) Principal 4 Fuß, von guten Zinn ganz ins Gesicht.

2) Lieblich Gedackt 8 Fuß von reinen Fichtenholz.

3) Fugara 4 Fuß von harten Holz

4) Octave 2 Fuß von Metall

Unteres Clavier:

 

5) Hohlflöte 8 Fuß, die unterste Octave gedeckt, von reinen Fichtenholz.

6) Violdigambe 8 Fuß von Metall

7) Flauto 4 Fuß von reinen Fichtenholz

8) Waldflaute 2 Fuß von Metall

9) Mixtour 1 Fuß 3f. von Metall

Im Pedal:

 

10) Octavenbaß 8 Fuß

11) Subbaß 16 Fuß

12) Violonbaß 8 Fuß

- alle von reinem Fichtenholz


Nebenzüge: 13) Pedalkoppel - 14) Stern - 15) Schwebung - 16) Calcantenglocke


Nicht eindeutig zu klären ist die Frage um einen Vertrag mit dem Orgelmacher Heinrich Salomo Henne vom 18.10.1803, der ebenfalls über einen Neubau abgeschlossen wurde. Hierin verspricht Henne, in die Kirche zu Biberschlag ein "gutes modernes Orgelwerk nach neuester Art" zu bauen, mit folgenden Registern:

1) Prinzipal 4 Fuß

2) Viola di Gambe 8 Fuß

3) Grob=Gedackt 8 Fuß

4) Flauta traversa 4 Fuß

5) Quinta 3 Fuß

6) Voghara 4 Fuß

7) Klein=Gedackt 4 Fuß

8) Mixtur dreyfach c. g. c.

Pedal:

 

9) Prinzipal=Baß 8 Fuß

10) Subbaß 16 Fuß

11) Pedalcoppel

12) Stern

13) Tremulant

14) Calcanten=Zug


Bis Pfingsten solle Henne das Werk aufsetzen, das Kirchspiel verspricht ihm im Gegenzug 200 Reichstaler "nebst der alten Orgel und zwey Schock Bret[t]ern beym Aufsetzen freyes Quartier und Kost". Es unterzeichneten neben dem Orgelbauer Heinrich Salomo Henne der Biberschläger Pfarrer Johann Paul Schneider (1789-1807) sowie der damalige Schultheiß Johann Georg Eichhorn. Wahrscheinlich wurde diese Arbeit nicht ausgeführt. Nach Typhusepidemie, Krieg und Hungersnot kommt es in den Jahren 1819/20 zu einem Aus- und Umbau der Kirche. Möglicherweise nahm man in diesem Zusammenhang die Arbeit an der Orgel wieder auf.